Sonntag, 1. Juni 2014

Diätenwahn

Der Sommer bringt ja nicht nur schöne Kleider und Urlaubsgefühle in uns hervor sondern regelmäßig auch den Wunsch, dünner zu sein. In Sommerkleidung kann man sich nicht so schön verstecken, viele Frauen hadern damit, ihre nackten Oberarme zu zeigen. Dann haben wir da noch das Problem mit aneinander reibenden Oberschenkel und natürlich scheint da eine Diät das Wunderheilmittel für alles zu sein. Hier ein paar Gründe, warum ich Diäten aufgegeben habe.

1. Das Jetzt ist kostbar
Sobald ich auf Diät war wollte ich, dass die Zeit in der ich noch dick bin, so schnell wie möglich vergeht. Mein neues Leben, in dem ich schlank bin und alles besser ist, sollte so schnell wie möglich beginnen können. Ich habe mir in der Zeit keine neuen Klamotten gekauft (was dazu führte, dass ich mir NIE neue Klamotten kaufte, denn ich war entweder auf Diät oder plante schon die nächste), bin selten mit Freunden ausgegangen, weil ich Angst hatte "schwach" zu werden und etwas zu essen oder Alkohol zu trinken und am allerschlimmsten, ich habe meinen Körper verächtlich im Spiegel betrachtet, fühlte mich unwohl und hässlich.

2. Diäten machen dick
Sobald mein Gewicht stagnierte fing ich an immer weniger zu essen, bis ich dann einen Punkt erreichte, bei dem ich einfach alles aß, was mir in die Quere kam. Heimlich. Schnell. Das führte dazu, dass ich kurz über lang nach einer Diät immer mehr wog als davor. Ich musste bereits vor der Einschulung abnehmen. Meine komplette Schulzeit hinweg machte ich immer wieder Diäten. Nicht nur habe ich das Gefühl, nie richtig essen gelernt zu haben, ich habe eine Essstörung. Sobald ich extrem gestresst bin, wodurch auch immer, oder mich mal selbst wieder auf Diät setze, kann ich nicht anders als zu essen. Zwanghaft esse ich in kürzester Zeit so viel, bis ich Bauchschmerzen habe und mich danach schlafen lege. Der Weg der Selbstakzeptanz ist das einzige, das die Anzahl dieser Fressanfälle enorm sank.

3. Schlank sein und schlank fühlen sind zwei verschiedene paar Schuhe
Das verrückte an der Abnehmerei war, dass es Zeiten gab, da hatte ich mein Normalgewicht erreicht. Ich hatte es nur leider nicht gesehen. In meinem Kopf war ich immer noch dick und musste noch 20 kg abnehmen (was ich zum Glück niemals schaffte). Eigentlich sah ich mich mein Leben lang so dick, wie ich heute bin, nur mit dem Unterschied, dass ich damals bis zu 30kg weniger wog und mein Spiegelbild verabscheute. Wenn ich heute in den Spiegel schaue, finde ich mich schön und kann nicht nachvollziehen, wieso ich schöner sein sollte, wenn ich schlank wäre.

4. Dick sein ist nicht das Problem
Klar gibt es Tage, an denen ich mich weniger mag. Jeder hat Schöne und Nicht-so-Schöne Tage. Diese Tage haben aber nichts mit unserem äußeren Erscheinungsbild zu tun sondern mit unserer Laune (und wenn man ein Problem lösen möchte sollte man ja immer dem Ursprung auf dem Grunde gehen ;)).  Klar gibt es auch gewisse Körperteile an einem, die man weniger schön findet. Ich habe sehr dicke, unförmige, schlabberige Oberarme. Jeden Sommer aufs neue muss ich mich überwinden, trägerlos auf die Straße zu gehen. Wie oft sage ich, dass ich meine Arme hasse, und vergesse dabei, wie froh ich sein kann, zwei Arme zu haben.  Es ist total in Vergessenheit geraten, wofür unsere Körper eigentlich dienen. Wir haben keinen Körper um schön zu sein (wie auch immer man Schönheit definieren möchte), es ist nicht unsere Aufgabe, schön zu sein, und schon gar nicht sind wir es irgendwem schuldig, schön zu sein. Unser Körper schenkt uns Leben, das kostbarste Geschenk überhaupt. Und wir sind verdammt schlecht darin, ihm zu danken.

5. Gesund leben ist greifbarer
Das Ziel, gesund zu leben, ist soviel machbarer und frustfreier. Hier ist der Weg das Ziel. Einfach das essen, was schmeckt und wonach man sich gut fühlt. Sich zu bewegen, weil es Spaß macht und man sich danach gut fühlt,  nicht um den Körper in Form zu bringen. Und einfach akzeptieren, dass nun mal nicht jeder von Natur aus dünn ist und das auch nicht das erstrebte Ziel sein sollte. Und das Wort Diät dabei am besten komplett aus dem Gedächtnis streichen.

Für alle, die sich indem wieder erkennen, kann ich nur Isabel Foxen Dukes Blog empfehlen. Mir hat sie unheimlich geholfen. (Und damit meine ich nicht ihr Coching. ;))

Wie steht ihr zu dem Thema? Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht?


6 Kommentare:

  1. Wahre Worte! Mir gehts/gings nie anders. Schön das sich jemand traut, so etwas öffentlich zu sagen! Find ich klasse ♥

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  2. Du bringst es auf den Punkt. Toller Beitrag. Ich nehme zur Zeit zwar auch ab, aber ohne Diät, langsam und mit gesundem Lebensstil. Mein Ziel ist nicht schlank, sondern gesund zu sein. Ein gesunder Moppel :D

    Liebe Grüße

    Elli

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  3. Ich stimme dir absolut zu! ♥
    Mir gehts und gings immer ganz genauso. Ich war auch seit frühester Kindheit übergewichtig. Eigentlich mein ganzes Leben beschäftige ich mich mit dem Essen oder vielmehr dem Nicht-Essen.
    Selbst mit fast 50 kilo weniger als jetzt habe ich mich fett gefühlt. Es ist definitiv Kopfsache und ich denke erst wenn man auch mit kilos zuviel mit seinem Körper im Reinen ist, erst dann kann man körperlich als auch kopfmäßig was ändern.

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  4. Unterschreibe ich zu 100 Prozent. Ich habe das Gefühl, ich war bisher auch mehr Lebenszeit auf Diät, als ohne. Das ist doch furchtbar! Diäten machen mich schlecht gelaunt und nur unzufriedener. Wenn ich zur Zeit lese oder sehe wie jemand nur noch Diät-Drinks zu sich nimmt, nur Gemüse isst oder sich ständig zum Sport quält, dann bin ich froh, dass ich dem Ganzen abgeschworen habe und einfach mal zufrieden bin. Perfekt finden wird man sich eh nie. Und, wie du so schön sagst, Tage an denen man sich einfach nur unwohl fühlt, wird es immer geben.

    Folge dir jetzt übrigens, deine Outfits sind toll und ich liebe deine Kurzhaarfrisur <3 steht dir so gut!

    Liebe Grüße
    Bonny

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